bedrohungsprognose

Mit 2018 geht ein Jahr zu Ende, das mit einer Reihe gefährlicher Cyber-Angriffe und Datenpannen für Aufregung gesorgt hat. Man denke etwa an den millionenfachen Datendiebstahl bei British Airways, vermeintliche Spionage-Chips bei SuperMicro, geleakte Atomkraftwerkinformationen bei Ingérop und nicht zuletzt den Cambridge Analytica-Skandal bei Facebook. Und auch im kommenden Jahr müssen wir auf der Hut sein vor gefährlichen Sicherheitslücken, neuen Angriffsmethoden und Angriffsflächen und nachlässigem Datenschutz. Folgende Schwerpunkte dürften 2019 eine wichtige Rolle in der Welt der Cyber-Sicherheit spielen.

markus kahmen

Autor: Markus Kahmen, Regional Director CE, Thycotic

1. Privilegierte Accounts bleiben beliebtes Einfallstor für Hacker
Kompromittierte privilegierte Unternehmenskonten sind seit vielen Jahren eine der beliebtesten Angriffsmethoden, über die sich Cyberkriminelle Zugang zu Systemen und sensiblen Daten verschaffen. Das wird sich auch im nächsten Jahr nicht ändern. Umso wichtiger ist es, dass Unternehmen ihre sensiblen Accounts und Konten mit weitrechenden Berechtigungen mit Hilfe einer Least Privilege-Policy so gut es geht einschränken und Sitzungen privilegierter Konten stets im Blick haben. Bis heute haben nur rund 25 Prozent der Unternehmen eine effektive PAM-Lösung im Einsatz, die diese wichtigen Funktionalitäten auch erfüllt. Im Jahr 2019 ist es nun an der Zeit, die Kontrolle über die privilegierten Konten zurückzugewinnen.

2. Krypto-Mining weiter auf dem Vormarsch
Während die Ransomware, das Schreckgespenst von 2017, fürs Erste wieder in der Versenkung verschwunden ist, hat das Krypto-Mining, d.h. der Missbrauch gekaperter Rechenleistung, um Digitalwährungen wie Bitcoin und Monero zu schürfen, im vergangenen Jahr einen Aufstieg erlebt. So waren schädliche Krypto-Miner im ersten Halbjahr für 32 Prozent der Malware- Angriffe verantwortlich, während nur bei 8 Prozent der Vorfälle Ransomware im Spiel war, wie der Vulnerability and Threat Trend Report von Skybox gezeigt hat. Das Problem: Viele Hacker nutzen gezielt ältere Schwachstellen und Sicherheitslücken, um Krypto-Mining zu betreiben und auch die Zahl bösartiger mobiler Mining-Apps, die es teilweise sogar in den Google-Store schaffen, steigt seit Jahren an. Die weiterhin starke Zunahme von Geräten insbesondere im IoT-Bereich wird dazu führen, dass im kommenden Jahr viele neue Ziele für Krypto-Miner geschaffen werden und deshalb mit einem weiteren Anstieg zu rechnen ist.

3. Zunahme von Phishing-Angriffen
Alle Welt redet von Zero-Day-Attacken, Malware und Sicherheitslücken der Betriebssysteme, doch eines der größten Sicherheitsrisiken geht von den Menschen selbst aus. Nach wie vor ist Social Engineering der schnellste und effektivste Weg, um das Netzwerk zu infiltrieren. Das bestätigten auch 56 Prozent der Hacker, die im Rahmen der BlackHat-Umfrage von Thycotic vor ein paar Monaten befragt wurden. Ganz hoch im Kurs steht dabei nach wie vor Phishing. Phishing-Mails dienen als erste Stufe für eine Reihe von Angriffen – von Spionage bis zum Einschleusen von Malware oder Krypto-Mining-Trojanern. In der Regel versuchen Angreifer auf diesem Wege den Empfänger der Mail dazu zu bewegen, sensible Passwörter weiterzugeben oder Schadcode herunterzuladen. Trotz gestiegener Aufklärung kommen Cyberkriminelle mir Phishing immer noch ans Ziel, was Hacker anspornen dürften, ihre Angriffe weiter zu professionalisieren und Mails noch gezielter auf ihre Opfer zuzuschneiden. Ein Rückgang der Phishing-Welle ist deshalb auch 2019 nicht zu erwarten.

4. Das Jahr der Bußgelder
Bei den düsteren Aussichten ist im kommenden Jahr aus Security-Sicht aber auch Positives zu erwarten – zumindest aus Verbrauchersicht. Denn die Datenschutz-Grundverordnung der EU, die im Mai 2018 in Kraft getreten ist, und vor allem die damit verbundenen hohen Bußgelder bei Datenschutzverstößen, werden dafür sorgen, dass Unternehmen ihre Datensicherheit immer weiter optimieren. Ich gehe stark davon aus, dass in den kommenden Monaten das eine oder andere Unternehmen wegen Verstößen zur Kasse gebeten wird teils empfindliche Summen zu zahlen hat. Dies allein dürfte viele andere Unternehmen abschrecken und sie dazu bewegen, den Datenschutz endlich ernster zu nehmen.